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    D.J. Traum - Ausstellung zum 20. Todestag

    ALPHA & OMEGA Zeichnung I Malerei I 1985 - 2000
    Geöffnet Sonntag von 14-18 Uhr


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    ALPHA & OMEGA | Zeichnung und Malerei | 1985–2000
    Dietmar Johannes Traum: Formale Evolution – Zwischen schwarzer Monochromie und
    reflektierenden Goldflächen
    Der künstlerische Bogen, den das Werk von Dietmar Johannes Traum (1959–2006) zwischen 1985 und
    2000 spannt, führt von der existenziellen Monochromie obsessiver Tuschezeichnungen zur materiellen
    Transzendenz byzantinischer Ikonen und den konsumkritischen „„NEUGOTTIKONEN“. Diese Evolution mar-
    kiert eine der konsequentesten Positionen der österreichischen Postmoderne: die Erzeugung einer tiefen,
    meditativen Raumwirkung durch extreme visuelle Dichte.
    Die grafische Obsession oder hunderte Zeichnungen gegen den Lärm der Welt
    Das Fundament seines Schaffens bildeten ein Gaststudium an der Accademia di Brera in Mailand (1982)
    sowie das Diplomstudium an der Kunstuniversität Linz (1982–1989) in der Meisterklasse für Malerei und
    Grafik. Bereits 1983 verarbeitete Traum eine Reise nach Indien und Ladakh in einem umfangreichen
    Aquarell- und Ölzyklus der u.a. in der kleinen Galerie (Ottensheim) und am Roßmarkt (Grießkirchen)
    zu sehen war. 1984 folgte die interdisziplinäre „„ERSTE LINZER BANANENEXHIBITION“ an der Kunstuniversität
    Linz – ein Raumexperiment, das 450 schwebende Bananen und 30 Ölbilder mit experimentellem Tanz,
    avantgardistischen Texten und elektronischer Musik vereinte.
    Das Jahr 1985 markiert einen Wendepunkt hin zu radikaler Innerlichkeit. Während die Kunstwelt die
    expressive Malerei der „„NEUEN WILDEN“ feierte, zog sich Traum in das Mikroskopische zurück. Mit der Serie
    „„SCHWARZ. BERUHIGEND.“ schuf er ein Schlüsselwerk, das die Zeichnung von der abbildenden Linie hin zur
    existenziellen Textur umdeutete. In dieser obsessiven Phase suchte er in der Zeichnung nach dem, was er
    selbst als den „„KLANG DER TIEFE“ beschrieb.
    Dieses monumentale Konvolut aus hunderten kleinformatigen Tinte-, Kohle- und Graphitzeichnungen
    besticht durch eine extrem dichte, stoffliche Linienführung. Der serielle, meditative Charakter erzeugt
    einen spannungsvollen Kontrast zur massiven Wirkung der Strukturen. Der Titel verweist auf eine psycho-
    logische Ebene: Schwarz wird hier als schützender Raum der Stille begriffen. Die Serie wurde in der OÖ
    Landesausstellung „„GOTT, MENSCH UND GESELLSCHAFT“ gewürdigt und mit der Talentförderungsprämie
    des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.
    In der Folge übertrug Traum dieses grafische Prinzip auch auf großformatige Zeichnungen wie „„BLACK
    DANUBE“ (1986). In der räumlichen Inszenierung verdichteten sich diese seriellen Arbeiten zu einem
    konzeptionellen Triptychon: Die rhythmische Reihung der kleinteiligen, humorvollen, spielerisch-
    satirischen Blätter „„SCHATTENBLÄTTER-BUBENTANZ“, „„SEXY HORROR STEINBRUCH STORY“, „„EVA BOOT –
    Oder alles OK... am Kap der guten Hoffnung“ oder „„SOFA“ (alle Triptychen 1986) flankierte das wuchtige,
    raumgreifende Zentrum der Großformate aus der Serie „„FIGUR UND FIGURATION“ – Kohle und Kreide
    auf Papier (1986). Kritiker interpretierten diese Zeichenserien Mitte der 1980er-Jahre als bewussten
    Gegenenwurf zum Zeitgeist, der Räumlichkeit ganz ohne Perspektive erschafft.
    Die Jahre 1986–1987 waren geprägt von intensivem Naturstudium sowie deren freier Umsetzung in
    Eitempera und Öl. Es folgten Auszeichnungen beim „„RÖMERQUELLE KUNSTWETTBEWERB“ (1986) und beim
    Wettbewerb „„HOMMAGE À O. KOKOSCHKA“ in Wien (1987). Zudem erhielt er das Reisestipendium der
    Hypogalerie Linz und gestaltete die Raumprojekte „„KUNSTLICHT“ - ein audiovisuelles Raumexperiment
    (Wels) und „„FREIRAUM“ - Galerie Maerz (Linz) mit. Nach seiner Diplomarbeit zum Thema „„FIGUR UND
    FIGURATION“ (1988) erhielt Traum das Leistungsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht
    und Kunst. 1989 schloss er sein Studium ab. Ein Auslandsstipendium an der Gerrit Rietveld Academie
    in Amsterdam erlaubte ihm die Erforschung der Künstlergruppe „„COBRA“. Im selben Jahr wurde er
    ordentliches Mitglied des O.Ö. Kunstvereins und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Amsterdam.
    Brücke zur Sakralkunst: Ikonenstudium und Vortragstätigkeit
    Zwischen 1990 und 2000 arbeitete Traum als freischaffender Künstler in Amsterdam. Sein Fokus lag auf
    experimentellen Stillleben und ethnisch inspirierten Objekten, beeinflusst von den Kulturen verschiedener
    indigener Völkergruppen. Die Arbeiten wurden in Amsterdam, Alkmaar sowie im O.Ö. Kunstverein in Linz
    gezeigt. Parallel dazu hielt er als Gastdozent kunsthistorische Vorlesungen und betrieb archäologische
    Studien im Allard Pierson Museum (Amsterdam) und im Rijksmuseum van Oudheden (Leiden).
    Eine ausgedehnte Studienreise nach Griechenland (1993) leitete eine tiefe Auseinandersetzung mit
    der oströmisch-byzantinischen Kunst ein. Traum verbrachte mehrere Wochen in griechisch-orthodo-
    xen Klöstern, darunter am heiligen Berg Athos. Fasziniert von der spirituellen Ausstrahlungskraft der
    Ikonen, wurde die Konfrontation mit dieser Sakralkunst für sein weiteres Werk prägend. 1994 führte ihn
    ein Forschungsaufenthalt nach London. Auf Einladung von „„EMI HIS MASTERS VOICE“ studierte er im British
    Museum spätägyptische Mumienporträts und die Enkaustikmalerei als materielle Basis der Ikone. In der
    National Gallery analysierte er die Entwicklung der mittelalterlichen Formgebung bis zur Hochrenais-
    sance anhand von Meistern wie Fra Angelico, Mantegna, Bellini und Da Vinci. Parallel dazu engagierte
    sich Traum in der Kulturvermittlung und hielt Fachvorträge für ein internationales Publikum.
    Zwischen 1994 und 1998 entfaltete Traum eine intensive didaktische Tätigkeit in den Niederlanden. Als
    Kunstdozent an der Heerhugowaardse Kunstvereeniging unterrichtete er Modellzeichnen sowie Porträt-
    und Stilllebenmalerei. Zeitgleich gründete und leitete er das „„STUDIO 4“ in Amsterdam und Heerhugo-
    waard, wo er rund 20 Kunststudenten zur Entwicklung einer persönlichen künstlerischen Vision beglei-
    tete. Diese akademische Lehre erweiterte er durch internationale Vorträge: Er referierte über griechische
    Architektur und gestaltete für „„EMI EUROPE“ in London eine zehnteilige kunsthistorische Vortragsreihe.
    Der Transfer zur Malerei folgte dem grafischen Prinzip der Schichtung: Ab 1995 baute Traum seine monu-
    mentalen Großikonen (wie den „„HEILIGEN GEORG“ und später die Darstellung des „„JÜNGSTEN GERICHTES“)
    nach byzantinischem Vorbild auf. Diese präzise Form- und Farbgebung bildete – unabhängig von theo-
    logischen Inhalten – die größte künstlerische Herausforderung seines Schaffens.
    Im Anschluss folgte 1996 ein gestalterisches Großprojekt für „„EMI EUROPE“: die visuelle Konzeption der
    17-teiligen CD-Serie „„SPIRITUS“. Traum übersetzte Meisterwerke wie Bachs Matthäus-Passion oder
    Mozarts Requiem in einen strengen, ikonenhaften Charakter auf raumlose, lichtreflektierende Goldflächen.
    Das kritische Spiegelbild: Die „„NEUGOTTIKONEN“
    Um die Jahrtausendwende schloss sich der Kreis im Amsterdamer Atelier. Traum weigerte sich, die Ikone
    als bloßes historisches Zitat zu reproduzieren. Im Frühjahr 1997 übergab er die Leitung von „„STUDIO 4“ an
    seinen Assistenten, um sich ganz auf die Atelierarbeit zu fokussieren. Die Themen entnahm er aktuellen
    Medien- und Wirtschaftsdiskursen. So entstand die Werkreihe der „„NEUGOTTIKONEN“ (darunter „„WWW
    – THE NEW TRINITY“, „„SOLD“ und „„OH MIGHTY DOLLAR“, um nur einige zu nennen). Die formale Strenge
    ersetzte die freie Zeichnung; die metaphysische Tiefenwirkung des Blattgolds übernahm die Funktion
    des früheren All-over-Schwarz. Es mutierte zur Projektionsfläche des globalen Kapitalismus und der tech-
    nologischen Allmacht – ein kritisches Spiegelbild einer Gegenwart, die das Ökonomische sakralisiert.
    Nach einem mehrmonatigen Studium der nordspanischen Romanik in Barcelona führte ihn eine weitere
    Griechenlandreise zu den bedeutenden Stätten von Byzanz, darunter Thessaloniki, Daphni, das Byzan-
    tinische Museum sowie Mystras. Besonders prägend waren die Malereien des Theophanes Strelitzas im
    Meteorakloster Agios Nikolaos. Im Mai 1999 erweiterte eine archäologische Studienreise nach Syrien sein
    Formenvokabular: Die Erforschung frühchristlicher Kulturen in Mari, Dura Europos und an der Säulenruine
    des Heiligen Simeon bot eine Fülle an morphologischem Material.
    Retrospektive: Ein begehbares Kontinuum
    Vom ersten Tuschestrich der Serie „„SCHWARZ. BERUHIGEND.“ bis zum letzten Pinselstrich der „„NEUGOTT-
    IKONEN“ blieb Dietmar Johannes Traum ein Suchender nach der absoluten Essenz des Bildraums. Seine
    Kunst entzieht sich dem schnellen Konsum. Die Retrospektive zum 20. Todestag führt vor Augen, dass
    seine Zeichnungen und seine zeitkritischen Ikonen zwei Seiten derselben Medaille sind. Traum hinter-
    lässt kein bloßes Archiv, sondern ein begehbares Kontinuum. Sein obsessives Werk erweist sich in der
    Rückschau als zeitlose Meditation über die Ordnung des Chaos und die beruhigende Kraft der Struktur.
    Wie tief diese reife Phase nach seiner krankheitsbedingten Rückkehr nach Österreich (Wien) im Jahr 2001
    verwurzelt war, zeigten die bedeutenden Ausstellungen der Folgejahre: In „„IKONEN NEU INTERPRETIERT“
    (Zisterzienserstift Schlierbach, 2003) und „„DIE IKONE ALS WEG“ (Schloss Haiding bei Wels, 2003) trat
    das Werk in einen direkten architektonischen Dialog mit historischen Orten der Einkehr. Die Werkschau
    „„IN MEMORIAM“ (2006) in der Galerie NeunZenDorf (Ried im Traunkreis) schloss schließlich den Kreis
    eines früh vollendeten Lebens. Seine Kunst bleibt eine zeitlose Einladung, die Stille als differenzierten
    Resonanzraum der Seele wahrzunehmen.
    Repräsentanz in öffentlichen und privaten Sammlungen
    Das bleibende Erbe und die kunsthistorische Relevanz des Œuvres von Dietmar Johannes Traum spie-
    geln sich in seiner institutionellen Präsenz wider. Seine wegweisenden Arbeiten – von den mikro-struk-
    turellen Tuschezeichnungen bis zu den monumentalen, zeitkritischen Goldgrund-Ikonen – sind heute in
    namhaften öffentlichen, musealen und privaten Sammlungen im In- und Ausland vertreten.
    Christian NItsch – nach einem Text von Mag. art. Dietmar Johannes Traum: „„KÜNSTLERISCHER WERDEGANG“
    Zendorf 19, 4551 Ried im Traunkreis | Tel.: +43 664/73914544 | E-Mail: christa@neunzendorf.at